Perimenopause
Alles auf einmal? Das hängt zusammen.
Sie schlafen schlechter, obwohl sich nichts geändert hat. Das Cholesterin steigt, obwohl Sie essen wie immer. Plötzlich vertragen Sie keinen Rotwein mehr, und der Bauch reagiert auf Dinge, die zwanzig Jahre lang kein Thema waren.
Das alles hängt zusammen. Mit Hormonen allein lässt sich aber nicht alles lösen. Deshalb schaue ich auf das ganze Bild und erkläre Ihnen, was hinter den einzelnen Beschwerden steckt.
Was in dieser Zeit passiert
Östrogen wirkt nicht nur auf den Zyklus
Östrogen wirkt auf Gefäße, Zuckerstoffwechsel, Knochen, Muskulatur, Darm und Mastzellen. Wenn es schwankt und irgendwann wegbleibt, verändert sich all das mit, nicht gleichzeitig und nicht bei jeder Frau gleich. Bei vielen Frauen sind die Hitzewallungen nicht das eigentliche Problem.
Der Fettstoffwechsel
LDL und ApoB steigen in dieser Phase häufig, ohne dass sich an Ernährung oder Gewicht etwas geändert hätte. Ein Teil davon bessert sich unter einer Hormontherapie, nicht alles. Was bleibt, sollte behandelt werden: Es ist der Grund, warum das Herzinfarktrisiko von Frauen nach der Menopause aufholt.
Die Insulinempfindlichkeit
Sie sinkt, oft Jahre bevor der Blutzucker auffällig wird. Das erklärt auch, warum sich das Gewicht plötzlich anders verhält, obwohl Sie nichts anders machen.
Muskulatur und Knochen
Beides geht in diesen Jahren beschleunigt verloren. Beides ist messbar, Handkraft, Muskelmasse, Knochendichte, und beides lässt sich beeinflussen. Dafür ist es wichtig zu wissen, wo Sie stehen.
Die Histamintoleranz
Der Zusammenhang, der am häufigsten übersehen wird. Östrogen und Histamin beeinflussen sich gegenseitig, Progesteron wirkt dagegen mastzellstabilisierend. Sinkt in der Perimenopause das Progesteron, steigt das Histamin zusätzlich, und das Gleichgewicht kippt bei vielen Frauen. Plötzlich gibt es Reaktionen auf Rotwein, reifen Käse, Tomaten. Wird dieser Zusammenhang nicht erkannt, folgt leicht eine Ausschlussdiät, ohne dass es besser wird.
Der Darm
Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung treten neu auf oder verändern ihren Charakter. Bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird, sollten andere Ursachen ausgeschlossen sein. Das ist mein Fachgebiet, und häufig findet sich dabei eine andere Ursache.
Eisen und Schilddrüse
Stärkere Blutungen führen sehr häufig zu Eisenmangel, und der macht genau das, was man den Wechseljahren zuschreibt: Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Haarausfall. Schilddrüsenerkrankungen häufen sich in dieser Lebensphase ebenfalls.
Der Schlaf
Schlafapnoe wird bei Frauen nach der Menopause deutlich häufiger und wird oft übersehen, weil sie anders aussieht als bei Männern: kein lautes Schnarchen, sondern Erschöpfung, Kopfschmerz am Morgen, Grübeln in der Nacht.
Und die Hormone
Ob eine Hormontherapie sinnvoll ist, entscheiden Beschwerdebild, Vorgeschichte und Risikoprofil, nicht ein Laborwert. Wenn sie infrage kommt, stelle ich die Therapie ein und begleite Sie engmaschig, damit Nebenwirkungen früh erkannt werden.
Wenn die Hormontherapie läuft
… und trotzdem etwas nicht stimmt
Diese Situation kenne ich aus meiner Sprechstunde gut: Die Einstellung passt, die Werte sind gut, die Gynäkologin oder der Gynäkologe hat alles richtig gemacht, und trotzdem ist da etwas, das nicht besser wird.
Dann liegt es meistens an einem der Felder oben: am Eisen, am Schlaf, am Darm, an der Schilddrüse, an der Histamintoleranz. Eine Hormontherapie kann viel, aber nicht alles. Für diesen Teil, der übrig bleibt, ist diese Sprechstunde gedacht.
Dasselbe gilt, wenn mehrere Dinge zusammenkommen, etwa Mastzellaktivierung, Hypermobilität, Kreislaufregulationsstörungen oder anhaltende Erschöpfung nach einer Infektion. Diese Bilder verschlechtern sich in der Perimenopause regelmäßig.
Wie ich Hormontherapie bespreche
Vermutlich haben Sie dazu schon viel Widersprüchliches gehört. Das ist nachvollziehbar: Die großen Studien aus den frühen 2000ern werden heute ganz anders gelesen als damals. Entscheidend sind vier Fragen: In welchem Alter wird begonnen, wie lange ist die letzte Regel her, welches Gestagen wird verwendet, und geht das Östrogen über die Haut oder über den Magen.
Daraus folgt nicht, dass eine Hormontherapie für jede Frau richtig ist, und auch nicht, dass sie gefährlich ist. Es folgt, dass die Entscheidung individuell ist, und dass Sie ein Recht darauf haben, sie zu verstehen, statt sie zu übernehmen. Wenn Sie keine Hormone möchten, behandeln wir ohne.
Was ich bewusst nicht mache
Hormone nach Speicheltest dosieren
Die Werte im Speichel schwanken so stark und korrelieren so schlecht mit dem, was im Gewebe ankommt, dass man daraus keine Dosis ableiten kann.
Individuelle Rezepturen ohne Grund
Wo es ein zugelassenes Präparat gibt, verwende ich es: Dosis und Studienlage sind bekannt. Eine in der Apotheke hergestellte Rezeptur setze ich ein, wenn es keine passende Alternative gibt, etwa beim Testosteronersatz, für den es kein für Frauen zugelassenes Präparat gibt, oder bei Mastzellaktivierung mit Unverträglichkeit gegenüber Zusatzstoffen.
Mit Hormonen anfangen, bevor der Rest abgeklärt ist
Wenn eine Frau mit Erschöpfung kommt und ein Ferritin von 18 hat, ist die Hormontherapie nicht der erste Schritt. Sie kann der zweite sein.
Ablauf und Kosten
Gut vorbereitet ins Gespräch
Die Blutabnahme findet etwa eine Woche vor dem Termin statt. So liegen die Werte beim Gespräch vor.
Ausführliche Anamnese und Untersuchung, 50 Minuten, Ultraschall oder EKG inklusive, wenn sie gebraucht werden. Wenn eine Hormontherapie infrage kommt, stelle ich sie ein.
Mit Blutabnahme, EKG und Ultraschall von Bauch, Schilddrüse und Halsgefäßen, etwa 60 Minuten. Sinnvoll, wenn ohnehin eine Vorsorge ansteht. Die Laborkosten übernimmt meist die Krankenkasse.
Laborkosten übernimmt bei bestehender Indikation in der Regel die Krankenkasse. Kontrolltermine zur Einstellung einer Therapie werden nach Dauer verrechnet.
Häufige Fragen
Was Patientinnen mich vorher fragen
Ich habe noch einen regelmäßigen Zyklus.
Das schließt eine Perimenopause nicht aus. Sie beginnt oft Jahre vor der letzten Regel und bei völlig regelmäßigem Zyklus. Beschwerden ab etwa vierzig sollten deshalb abgeklärt werden, statt abzuwarten.
Brauche ich dafür einen Hormonspiegel?
Nein. In dieser Phase schwanken die Werte so stark, dass eine einzelne Messung kaum etwas aussagt. Die Diagnose stellt das Beschwerdebild. Laborwerte brauchen wir für andere Fragen: Eisen, Schilddrüse, Stoffwechsel.
Ersetzt das den Termin bei meiner Frauenärztin oder meinem Frauenarzt?
Nein, und das soll es auch nicht. Abstrich, Brustuntersuchung und gynäkologische Vorsorge bleiben dort. Ich übernehme die internistische Seite und stimme mich ab, wenn Sie das möchten.
Kann ich meine Befunde vorher schicken?
Sehr gerne. Je mehr vorliegt, desto mehr Zeit bleibt im Termin für das Gespräch.
Ich bin bereits in Behandlung und möchte eine zweite Meinung.
Auch dafür ist der Termin da. Bringen Sie Ihre Befunde mit, dann sehen wir sie uns gemeinsam an.
Termin
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Schreiben Sie kurz, worum es Ihnen geht, und schicken Sie mit, was an Befunden vorliegt. Oder buchen Sie direkt online.
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