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Haarausfall - zur Hilfe!

Die meisten Frauen kennen das - wenn man gefühlt mehr Haare in der Bürste, im Abfluss und auf dem Kopfkissen hat statt auf dem Kopf - das Selbstwertgefühl ist im Keller, die Verzweiflung groß und man befolgt wahllos jeden Tipp um endlich wieder


Aber was führt eigentlich zu Haarausfall und was kann man wirklich dagegen tun? Oder können wir vielleicht sogar vorbeugen?


Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall

Haare können aus verschiedenen Gründen ausfallen. Da die Gründe unterschiedlich sind, muss dann auch die Therapie anders gestaltet werden. Wir müssen also erst einmal verstehen, was in unserem Körper "schief" läuft um ihm überhaupt dabei helfen zu können wieder auf "grad" zu kommen.


Daher schauen wir uns als Erstes einmal die häufigsten Formen von Haarausfall an:

  1. Hormonell-bedingter Haarausfall: nahezu alle Hormone beeinflussen unser Haarwachstum: Cortisol, Progesteron, Östrogen, Schilddrüsenhormone

  2. Nährstoffmangel: wenn bestimmte Nährstoffe Mangelware in unserem Körper sind, muss priorisiert werden, welche Gewebe noch etwas bekommen - die Haare gehören meist nicht dazu, daher kann Haarausfall ein erstes Anzeichen für Mangelerscheinungen sein

  3. Postinfektiöser Haarausfall: dieser tritt ungefähr 4 Wochen - 3 Monate nach einer Infektion auf. Warum? Während einer Infektion werden die Haarwurzeln schlechter durchblutet, weil der Körper auch hier priorisieren muss. Salopp formuliert: in einer Akutsituation geht die Durchblutung der Organe nun mal vor! Zusätzlich können die vielen Entzündungsbotenstoffe, die während einer Infektion/Entzündung freigesetzt werden den Haarausfall begünstigen. Damit gehen mehr Haare in die Telogenphase über und fallen damit nach einigen Wochen aus. Die gute Nachricht - sie kommen wieder!

  4. Autoimmuner Haarausfall: es gibt (unspezifische) Autoantikörper gegen Haarfollikel und einige Autoimmunerkrankungen, die zu Haarausfall führen können


Da die Hormone in meiner Auflistung nicht umsonst auf Platz 1 genannt sind, möchte ich dazu gerne noch ein bisschen mehr in die Tiefe gehen und ein paar Zusammenhänge genauer erklären, weil diese für die Theapie wichtig sind:


Geschlechtshormone: die meisten Menschen wissen, dass männliche Geschlechthormone Haarausfall fördern - und zwar an den typischen Stellen (Schläfen, "Geheimratsecken"). Wie genau passiert das? Testosteron kann zu einer Art "Supertestosteron" dem DHT (Dihydrotestosteron) umgebaut werden - dies übernimmt das Enzym 5 alfa Reduktase. DHT kann dann an unsere Haarfollikel binden und sie schrumpfen lassen. Das führt langfristig zum Haarausfall. Das passiert nicht bei jedermann und jederfrau gleich, es ist genetisch festgelegt, wie empfindlich unsere Haarfollikel auf das Hormon reagieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Frauen mit einem PCO (polyzystisches Ovar) Syndrom eine erhöhte 5 alfa Reduktase Aktivität haben, also besonders viel DHT herstellen können.


Bringen wir nun das nächste Hormon ins Spiel: das Progesteron. Jede Frau weiß: in der Schwangerschaft hat man die schönsten Haare! Das liegt am wirklich hohen Progesteronspiegel - denn Progesteron ist ein natürlicher Hemmer der 5 alfa Reduktase und sorgt somit für geringere DHT Spiegel im Körper. Damit wird der Einfluss von DHT auf die Haarfollikel reduziert, und wir haben mehr davon :-)


Und weil es noch nicht kompliziert genug ist - kommen wir zum wichtigsten Thema: Stress!

Hohe Level an Stress (CRH) führen zu verschiedenen Effekten auf das Haar:

  • Mastzellaktivierung und dadurch erhöhte Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen

  • Cortisolanstieg mit erhöhtem Abbau von Hyaluron und Proteoglycanen, sowie Verstärkung von Haarausfall

  • reduzierte Progesteronwirkung (Schutz)



Was sollte man also tun, um herauszufinden, wo das Problem liegt?


Ernährung optimieren

Was keinesfalls schadet und den Haaren viel nützen kann sind ein paar Basis-Maßnahmen in der Ernährung:

  1. ausreichend Omega 3 Fettsäuren (d.h. mind. 2 g pro Tag)

  2. genügend Eiweiß in der Ernährung, denn auch Haare sind aus Proteinen zusammengesetzt. Dabei ist wichtig zu wissen, dass pro Mahlzeit mind. 30 g Proteine zugeführt werden sollen, denn nur so kommen die Proteine auch im Haar/Muskeln etc. an. Dabei ist außerdem zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Proteine eine unterschiedliche Bioverfügbarkeit haben: pflanzliche Proteine sind viel schlechter bioverfügbar und in Ihrer Zusammensetzung auch nur in Kombination optimal (den meisten Pflanzen fehlt eine essentielle Aminosäure, die wir brauchen)

  3. vielfältige, unverarbeitete, ballaststroffreiche Ernährung fördert nicht nur eine gesundes Mikrobiom sondern liefert uns auch genügend Mikronährstoffe, die für gesundes Haarwachstum wichtig sind


Arztbesuch

Der dient dazu Mikronährstoffmängel aufzudecken, die Hormone zu checken aber vor allem auch Erkrankungen auszuschließen, für die Haarausfall "nur eine Begleiterscheinung" ist. Hierzu gehören z.B. Erkrankungen aus dem chronisch entzündlichen Formenkreis wie Rheuma, Bindegewebserkrankungen oder entzündliche Darmerkrankungen.

Also geht zum Arzt, lass dir Blut abnehmen und frage auch ganz klar nach Schilddrüsenabklärung z.B. mittels Sonographie.


Welche Werte ich bei meinen PatientInnen immer bestimmen lasse?

BB, CrP, BSG, Eisen, Ferritin, Transferrin, Vitamin B12, Folsäure, Kupfer, Vitamin D, Geschlechtshormone (FSH, LH, DHEA, SHBG, E2, Progesteron, freies und bioverfügbares Testosteron, Prolaktin; Speicheltest), Schilddrüsenhormone (TSH, fT3 und fT4), Schilddrüsenantikörper (TPO, TRAK, Thyreoglobulin AK), Cortisol (Cortisol Tagesprofil Speicheltest), Calcium, Phosphat, Zink


evtl. werden diese Werte dann noch spezifisch je nach Geschichte erweitert.


Und was kann ich jetzt tun?



Therapiestrategien


Mikronährstoffmängel ausgleichen

das ist glaube ich ein "eh klar". Für Eisen möchte ich hier den Ziel Wert für Ferritin (Eisenspeicher) angeben - dieser liegt für Frauen bei 70 ng/ml (höher als der im Labor angegebene Referenzbereich) wenn es um Haarausfall, Fatigue oder Restless Legs geht.

Das einzige, das ich sonst noch zu bedenken geben möchte ist: viele Mikronährstoffe haben Interaktionen - können also z.B. nicht gleichzeitig gleich gut aufgenommen werden (klassisches Beispiel Calcium und Magnesium). Daher empfiehlt es sich, das gut zu besprechen und vor allem nicht zu viele Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig einzunehmen - eine gesunde und gut durchdachte Ernährung kann genauso viel für dich und deinen Körper tun! Vielleicht hilft es dir ja auch mit einer Diätologin darüber zu sprechen! Hast du das Problem, dass zum Beispiel aufgrund einer Darmerkrankung nicht genügend aufgenommen werden kann, sprich mit deinem Arzt über die Möglichkeit einer Infusion!


Stress reduzieren

Klingt ebenso nach einem "eh klar", ist aber ein kraftvolles Mittel, das seinesgleichen sucht. Es ist wirklich nicht zu unterschätzen, wie viele negative Effekte Stress auf den Körper haben - daher lohnt es sich gleich mehrfach hier genau hinzuschauen! Was kann man tun?

  • Meditation: bereits 12 min. am Tag sind laut Studien effektiv um Stresslevel zu senken. Wenn es dir so wie mir schwerfällt - ich habe mir ein EEG Stirnband besorgt, das mir mittels Biofeedback hilft die tatsächliche Entspannungstiefe für einen effektive Meditation zu erreichen

  • Sport: hier ist natürlich nicht JEDER Sport geeignet. Vor allen Yoga (Yin-Yoga) und moderates Ausdauertraining können die Stresshormonlevel reduzieren, auch ein Spaziergang kann sich positiv auswirken. High Intensity Trainings, Intervalltrainings oder Krafttraining führen eher zu erhöhten Cortisolspiegeln.

  • Schlaf priorisieren

  • Nahrungsergänzungsmittel wie Ashwaganda (indisiche Schlafbeere, 600 mg), Phosphatidylserin (400 mg Reinwirkstoff) und Magnesium (mind. 30 mg Reinwirkstoff) sowie GABA tragen zur Stressregulierung bei und fördern einen gesunden und erholsamen Schlaf. Wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln ist die richtige Dosis wichtig! Und Achtung: Magnesium ist nicht gleich Magnesium - es gib unterschiedliche Magnesiumverbindungen, die unterschiedliche Zwecke erfüllen.


Entzündungshemmung:

Hier haben besonders Curcuma und Zink gute Studienergebnisse geliefert. Auch ein Shampoo mit Rosmarinöl (einfach ein paar Tropfen zum Shampoo geben) helfen


Hormone ausgleichen:

  • Ashwaganda (reguliert Cortisol)

  • Sägepalmenextrakt (hemmt DHT, erhöht DHT Ausscheidung)

  • Haarwasser (z.B. Minoxidil - Achtung Blutdruck!, Östrogen etc.), dies aber am besten erst nach Überprüfung im Labor, Overdosing kann Probleme machen)

  • Finasterid

  • Spironolacton

  • Metformin


Gibt's ein one fits all? Kann ich was machen bis zum Arztbesuch? Eine Kombination aus Curcuma, Zink, Ashwaganda und Sägepalmenextrakt ist für Frauen ein guter Beginn (gibt es als Fixkombi) und dann braucht es ein individuelles Konzept.

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